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Interview mit eBay-Geschäftsführer Stephan Zoll

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Stephan Zoll, eBay-Geschäftsführer Deutschland



Internet Retailing.de sprach in Berlin mit Stephan Zoll, dem Geschäftsführer von eBay Deutschland, anlässlich der Vorstellung des 3. „Online Business Barometers 2010“ (Internet Retailing.de berichtete).

Internet Retailing: Wie hat sich die eBay-Plattform in den letzten zwei Jahren entwickelt?

Stephan Zoll: Wie haben die Plattform in den verschiedensten Bereichen stark weiterentwickelt. Und sehen am Ende vom Tag in der Geschäftsentwicklung positive Wachstumstendenzen. Das stimmt uns zuversichtlich für die Zukunft.

Internet Retailing: Wie sind diese Veränderungen strategisch aufzufassen?

Stephan Zoll: Vor etwa zwei, zweieinhalb Jahren haben wir stärker den Käufer in den Vordergrund gerückt, um zu priorisieren, welche Veränderungen wir auf der Plattform vornehmen. Das war vorher nicht immer so deutlich der Fall und hat dazu geführt, dass viele Probleme, die Käufer auf der Plattform hatten, nach und nach adressiert wurden. Wir haben den Standard der Kaufabwicklung wesentlich verbessert und die Abläufe vereinfacht.

Im Laufe der letzten zwei Jahre haben wir auch für die Verkäufer viele Funktionen, Regeln sowie unser Preismodell geändert. Dadurch ist auf Händlerseite eine größere Relevanz von eBay entstanden. Viele von ihnen machen nun mehr Geschäft auf unserer Plattform. Wir sehen auch, dass als Folge auf der Käuferseite Leute zurückkommen oder neue Käufer hinzukommen. Sie wollen bei den Händlern günstig und einfach einkaufen. Wir haben jetzt bereits 160.000 gewerbliche Verkäufer auf der deutschen eBay-Seite.

Internet Retailing: Worin bestehen diese Neuerungen?

Stephan Zoll: Im Herbst 2008 haben wir beispielsweise das Preismodell für die gewerblichen Anbieter umgestellt. Wir nehmen geringe bis keine Einstellgebühren mehr, sondern berechnen Gebühren vor allem bei erfolgreichen Verkäufen. Das haben wir verknüpft mit einem Abomodell, bei dem Verkäufer für einen Shop, den sie bei eBay betreiben, eine Grundgebühr entrichten. Teil des Modell ist, dass die Händler PayPal als eine Zahlungsoption anbieten.

Internet Retailing: Dadurch wurde ein minimaler Qualitätsstandard beim Payment eingeführt?

Stephan Zoll: Exakt. Insgesamt hat die Umstellung dazu geführt, dass es für die Händler wesentlich risikoärmer wurde, Waren auf eBay einzustellen. Dadurch hat sich das Angebot auf der Plattform verbreitert und verbessert. Diese Dynamik hat zu einer positiven Verkaufs- und Umsatzentwicklung beigetragen.

Internet Retailing: Ebay hat auch entsprechend investiert, oder?

Stephan Zoll: Wir haben stark in die Infrastruktur und die User Experience investiert. Momentan verstärken wir auch wieder unsere Marketing-Maßnahmen, auch Offline-Marketing.

Internet Retailing: Amazon.de hat zum 1. Juli 2010 Fulfillment by Amazon (FBA) als Angebot an seine Marketplace-Händler eingeführt. Wird es das auch bei Ebay geben?

Stephan Zoll: Nein, damit haben wir noch nie etwas zu tun gehabt. Wir betreiben einen Marktplatz, das ist ein anderes Geschäftsmodell. Wir werden Fulfillment nach jetzigem Stand in dieser Form nicht anbieten. Wir haben aber Partner, die Fulfillment betreiben. Wenn der Händler möchte, kann dies die Lieferkette entweder ganz oder nur teilweise abdecken. Das macht es Markenherstellern, die keine eigene Online-Präsenz haben, leichter, auf eBay Handel zu treiben. Die Anbieter haben wir sorgfältig ausgewählt.

Internet Retailing: Kommen wir gleich auf M-Commerce zu sprechen. Sie haben in USA mehrere Apps veröffentlicht. Gibt es diese auch für das deutsche eBay?

Stephan Zoll: Letztes Jahr wurden bei eBay Waren im Wert von 600 Mio. US-Dollar über mobile Applikationen gekauft. Dieses Jahr werden es wahrscheinlich mehr als 1,5 Mrd. US-Dollar sein. Wir haben gerade unsere Kauf- und Verkaufsapplikation für das iPhone in einer App zusammengeführt – auch in Deutschland. Damit kann man direkt bei eBay ein- und verkaufen.

Es gibt außerdem weitere Apps: für eBay Kleinanzeigen, für PayPal usw. Und die meisten auch auf Deutsch. Alle 10 Sekunden wird über mobile Anwendungen ein eBay-Artikel in Deutschland verkauft. Letztes Jahr betrug das Handelsvolumen über die iPhone App 60 Mio. US-Dollar in Deutschland. Die Zahlen sind noch niedriger als beispielsweise in Großbritannien, aber wir glauben, dass mit den Apps auch in Deutschland mit der Zeit ein großes Umsatzvolumen generiert wird.

Internet Retailing: Heute ist das Stichwort „Social Commerce“ gar nicht gefallen. Ist das kein Thema für Ebay und seine Händler?

Stephan Zoll: Das ist schon ein großes Thema. Wir haben es nur nicht in der Online-Befragung zum Thema gemacht. Es ist für jeden Händler eine wichtige Frage, wie er mit dem Käufer über neue Wege in Kontakt kommen kann. In Zukunft wird die Kaufanbahnung mehr und mehr auch über Netzwerke wie Facebook oder StudiVZ gemacht – über private Kaufempfehlungen. Da fragen sich Händler natürlich, wie sie Empfehlungen zu sich lenken können.

Internet Retailing: Ohne Social Commerce geht es gar nicht mehr.

Stephan Zoll: Ebay war schon immer eine starke Community, in der Käufer und Verkäufer viel miteinander interagiert haben, etwa in unseren Diskussionsforen oder auch über das Bewertungssystem.

Internet Retailing: Shopping-Clubs haben eine geschlossene Community. Sind sie für Ebay eine ernstzunehmende Konkurrenz geworden?

Stephan Zoll: Die Klubs haben auf jeden Fall ein Geschäftsmodell entwickelt, das von den Käufern sehr gut angenommen wird und sich am Markt erfolgreich etabliert hat. In Frankreich ist der Erfolg des Segments noch größer als in Deutschland, aber auch hier ist das Interesse gewachsen. Das ist also durchaus relevant. Ob das Modell immer an eine geschlossene Community geknüpft sein muss, bleibt abzuwarten. Mit zunehmendem Volumen spielt es eine weniger wichtige Rolle, einen solchen Klub geschlossen zu halten. Relevant ist für uns, dass das Modell an sich – hochwertige Markenware in begrenzter Stückzahl für einen begrenzten Zeitraum und zu besonders günstigen Preisen kaufen zu können – auf solches Interesse stößt.

Internet Retailing: Wie reagiert eBay darauf?

Stephan Zoll: In Deutschland haben wir die WOW! Angebote eingeführt, in den USA sind wir schon einen Schritt weiter. Dort gibt es die Seite „Fashion Vault“. Das ist ein spezieller Bereich, der das Shoppingklub-Modell in der eBay-Welt abbildet. Es ist erfolgreich, und wir überlegen, ob wir das auch in anderen Ländern einführen sollen.

Internet Retailing: Das Stichwort „Multichannel“ fiel heute nur ein einziges Mal. Das fand ich erstaunlich. Ist die Bedeutung von Multichannel-Commerce auch Ihre Erfahrung?

Stephan Zoll: Das wird auch in Deutschland ähnliche Züge annehmen. Wir liegen hierzulande hinter der internationalen Entwicklung ein wenig zurück, sogar große Handelsketten. Aber aus Konsumentensicht ist es eine sehr zwingende Logik, und dadurch wird sich Multichannel-Commerce ohne Zweifel durchsetzen.



Internet Retailing: Haben Sie so etwas wie eine eBay Academy, um den Knowhow-Transfer an Ihre Händler zu realisieren?

Stephan Zoll: Wir haben verschiedene Veranstaltungen. Früher war das die eBay University, bei der es um die ersten Schritte bei Ebay ging. Heute organisieren wir Veranstaltungen, zu denen wir die großen Händler einladen. Wir haben außerdem ein großes Netz von Kundenbetreuern, die ebenfalls genau diesen Knowhow-Transfer machen und Hilfe leisten.

Internet Retailing: Ich habe mich bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse gefragt, wie denn eBay die politisch relevanten Anliegen seiner Händler umsetzen möchte (Breitbandversorgung, Handelsgesetze usw.). Wie soll das gehen?

Stephan Zoll: Die Veranstaltung heute dient vor allem dazu, Öffentlichkeit für die Anliegen der Händler zu kreieren. Beispielsweise ist mit Jimmy Schulz ja auch ein Mitglied des Bundestages anwesend, der solche Anliegen sicher weiterträgt. Wir möchten mit dem Online Business Barometer erreichen, dass die Bedürfnisse der Händler stärker sichtbar gemacht und gehört werden. Selbstverständlich sind wir zu den relevanten Themen selbst auch auf politischer Ebene aktiv.

Internet Retailing: Arbeiten Sie mit dem BITKOM-Verband eng zusammen?

Stephan Zoll: Absolut. Wir sind durch eigene Mitarbeiter in den relevanten Verbänden, so auch dem Bitkom, vertreten. Das ist Teil unserer politischen Arbeit. Entscheidend ist aber auch, Aufmerksamkeit für die Themen zu schaffen, die die Online-Händler bewegen. Genau das tun wir heute.

Internet Retailing: Ich frage mich, wo letzten Endes die 40 Mrd. Euro Ausbau des Breitbandnetzes herkommen sollen.

Stephan Zoll: Investitionen in diesem Bereich werden sicher letztlich aus Steuergeldern kommen müssen und ich hoffe, dass solche Investitionen mit Blick auf die Wichtigkeit des weiteren Ausbaus der technischen Infrastruktur entsprechend priorisiert werden. Wird hier nicht weiter investiert, wird die Zukunftsfähigkeit Deutschlands zumindest in diesem Bereich nicht verbessert werden. Das ist aber wichtig, denn die Zugriffsmöglichkeiten auf das Netz werden unter anderem darüber entscheiden, wie sich der eCommerce weiter entwickeln und wie Verbraucher von neuen Einkaufsmöglichkeit über das Netz profitieren können.



Internet Retailing: Vielen Dank für dieses Gespräch.




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